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Flug nach Italien



Freitag Abends hole ich Holger vom Geschäft ab, wir fahren nach Nettetal zu Michael und der lädt uns noch auf eine Cola ein, wunderbares Wohnzimmer mit sehr rustikalem Eindruck, wir wollen noch heute Abend nach Oerlinghausen fahren, Michael soll einen Fluglehrerlehrgang besuchen, den Ersten in diesem kalten Jahr 2000 und Holger und ich wollen versuchen, die D-KIOD nach Sondrio zu fliegen - wie in jedem Jahr ist dort die Oerlinghausener Flugschule zum „Frühjahrs-fliegen“.

In Oerlinghausen erwartet uns spät Nachts die alte Flugschule mit dem wirklich wunderbarem Charme der 50 er Jahre, ich mache einen Zeitsprung ins Bett und bin wieder 12 Jahre alt und in einer Jugendherberge! Die Nacht ist menschenleer und stürmisch, der nächste Morgen auf dem Flugplatz ebenso. Wolkenfetzen in 200m über Grund und der Wetterfritze murmelt ein sportliches „Sturmtief“.

Um 10 Uhr haben wir die Nase voll vom Warten und wir starten auf der 22 Richtung West. Die Wolkenbasis scheint sich mit unserem Start nachsichtig zu heben und wir schaukeln der Lippe entlang. Hamm sehen wir fast sofort und sämtliche Schauer stehen wie Halmafelder vor uns und genauso fliegen wir auch : Halma! Immer um den Regen herum. Die Sicht ist sehr gut und wenn der Gegenwind nicht wäre, könnte man es fast als fliegen bezeichnen, was wir da tun. So bleibt es beim kriechen und der Gegenwind hat uns nach über zwei Stunden bis Aachen gelotst, sozusagen immer dem Wind entgegen, eine Art Kompaßnadel, die nach Süden zeigt.

In Aachen warten wir ab, ob es weiterhin schneit oder ob wir Abends nach Hause fahren mit dem Zug oder ob wir uns vielleicht bis Hangelar hangeln.

Zwei Stunden essen wir die Speisekarte rauf und runter, danach geht es endgültig vollgetankt und vollgegessen Richtung Koblenz. Das Wetter wird etwas besser, Koblenz beschert uns dann noch den Nachmittagskaffee, denn im Rheintal steht pünktlich eine Schauerwand.

Mainz meldet gute Sicht und klaren Himmel und es stimmt, - als wir aus dem Rheintal Richtung Alzey fliegen, wird das Wetter ruhiger und klarer. Im Westen glitzern dünne Wasserrinnsale und kleine Seen in der schon tief stehenden Abendsonne. Mit willkommenem Rückenwind sind wir nach nur einer Stunde und fünfundfünfzig Minuten in Freiburg, allerdings mit dem allerletzten Licht: etwas sehr genau abgemessen. Aber der Bfl schaltet uns die Landebahnbeleuchtung ein, ist nett und sagt nichts beunruhigendes... Der Abend in Freiburg ist schön und wir fallen reichlich müde ins Hotelbett.

Der nächste Morgen meldet über dem Schwarzwald X-Ray Bedingungen, aber vom Hotel aus sieht es aus wie CAVOK und wir fahren leicht mißtrauisch zum Flugplatz. Dort erwartet uns kein Flugzeug, sondern ein Iglo. Eine dicke Eisschicht entfernen wir von dem kleinen Flugzeug - eine Stunde mit unseren Telefonkarten mangels anderer Kratzwerkzeuge (ein Hoch auf die Improvisationsgabe des Menschen!) - Das gemeldete X-Ray entpuppt sich nach dem Start als blauer Himmel und 40 km Sicht und wir steigen langsam immer höher Richtung Bodensee.

Nachdenklich übersteigen wir im Oberrheintal den Nordstau, ab und zu sehen wir tief unter uns den bachdünnen Rhein durch eine Lücke. In 4300 m Höhe ist es sehr kalt, das Flugzeug steigt kaum noch und der Blick ist sehr, sehr schön. Wir sagen nichts und denken wahrscheinlich das Gleiche: Selbst wenn wir jetzt umkehren müßten, weil der Süden unter uns auch „zu“ ist, bis hierhin war es das alles schon wert... Wenn der meteorologische Unterricht auch lange Zeit zurück liegt: die Erinnerung ist doch sehr lebendig und hinter dem Splügen-Pass ist - wie im Lehrbuch - strahlend blauer Himmel und unter uns sehen wir bis zum Comer See. Ein leicht turbolenter Abstieg (Ich finde es gar nicht komisch, aber Holger meint, das wäre alles noch gar nichts, sehr beruhigend...) - und wir drehen nach Osten in das Veltlin mit dem Tal der Adda ein - da ist schon Sondrio und wir landen hinein in einen warmen und strahlenden Frühlingstag!